Horizon Field, Foto: Karin Hanika
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Selbstbildnis

Der Künstler betont zwei Aspekte, die ihm bei der Konzeption der Figuren wichtig sind: Zum einen hat er mit der Anzahl 100 eine industrielle Fertigungseinheit gewählt, zum anderen möchte er mit den belassenen Herstellungsspuren den Produktionsprozess betonen. Damit nimmt er das traditionelle Verständnis des Künstlers als handwerklich versierter Gestalter von einzigartigen, besonderen Dingen (=Kunst) sehr weit zurück. In den Vordergrund rückt dadurch jedoch die Rolle des Künstlers als Urheber einer Idee. Die Auffassung, dass vor allem die Idee das Kunstwerk ausmacht, charakterisiert weite Bereiche zeitgenössischer Kunst.

Davon abgesehen bleibt immer das Wissen erhalten, dass es sich um Abgüsse von Gormleys Körper handelt. Bis heute werden Selbstporträts, die nicht immer wirklichkeitsgetreu sein müssen, im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Rolle des Künstlers oder als Medium seiner Selbstreflexion gesehen. Prominente Beispiele stammen etwa von Albrecht Dürer (1471-1528), Vincent van Gogh (1853-1890), Max Beckmann (1884-1950) und Francis Bacon (1909-1992).

Wenn Gormley seine Figuren als Stellvertreter der menschlichen Gattung begreift, dann schließt sich der Gedanke an, dass der Künstler so etwas wie der primus inter pares (Erster unter Gleichen) sein könnte. Trotz aller Zurücknahmen bleibt der Künstler derjenige, der die Regeln vorgibt. In der Realisierung markiert sein Körperabguss das Kunstwerk in der Umgebung. Die Plastik ist die Verkörperung eines authentischen Zeichens und kann damit zugleich diejenige Funktion erfüllen, die eine Signatur auf einem Gemälde hat. Nach den Regeln des Kunstsystems macht erst diese „Handschrift“ das Werk zweifelsfrei zur Kunst.

In der nächsten Ebene wäre damit auch die aktuelle Rolle des Künstlers in der heutigen Gesellschaft angesprochen. Gormley fasst zusammen, worauf es ihm besonders ankommt: „Horizon Field stellt, wie ein Großteil meiner Arbeiten, eine offene Frage, welche Rolle das Projekt Menschheit auf diesem Planeten spielt. (...) Horizon Field stellt grundlegende Fragen: Wer sind wir, was sind wir, woher kommen wir, und wohin führt unser Weg? Die Arbeit erreicht dies, indem sie den Körper, die Wahrnehmung und die Vorstellungskraft bei all jenen aktiviert, die in dieses Beziehungsfeld eintreten.“ (Broschüre Kunsthaus Bregenz 2010)

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