Antony Gormley - Horizon Field
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Publikum

Die Rezeption des Kunstwerks durch ein vielfältig zusammen gesetztes Publikum ist demnach Bestandteil der Installation. Gormley möchte die Trennung von Kunst und Leben überwinden. Er erreicht dies, indem er den Ausstellungsraum verlässt und sein Kunstwerk für alle zugänglich macht. Auch diejenigen sind damit konfrontiert, die nicht absichtsvoll dorthin gehen. Die Erfahrungen der Menschen mit seiner Kunst sind nicht planbar und ohne erheblichen Aufwand auch kaum dokumentierbar. Was machen die Leute, wenn sie den Figuren begegnen? Sie betrachten die Figuren, umschreiten sie soweit möglich, berühren sie, schmücken und kleiden sie. Manche entfernen die liebevollen Dekorationen ihrer Vorgänger wieder. Eigentlich geht niemand vorbei, ohne irgendwie zu reagieren. Viele fotografieren sich zusammen mit einer Figur.

Die meisten dieser Reaktionen entsprechen nicht dem distanzierten Umgang mit Kunstwerken, wie er in Museen und Ausstellungshäusern üblich und gefordert ist. Sie folgen eher alltäglichen Praktiken im Verhalten mit anderen Menschen. Insoweit scheint sich Gormleys Anliegen zu erfüllen: Die Leute können mit seiner Kunst etwas anfangen. Die Frage, was ihre Gedanken und Gespräche im einzelnen sind, muss allerdings offen bleiben. Herauszufinden, ob sie sich für das künstlerische Konzept interessieren oder sich mit den existenziellen Fragen des Künstlers beschäftigen, ist am Ende vielleicht auch gar nicht mehr so wichtig.

Karin Hanika (Stuttgart)